· Rexoma Team · IT-Management · 6 min read
Windows 10 End of Life: Was KMU 2026 noch tun können
Seit Oktober 2025 liefert Microsoft keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr für Windows 10. Viele KMU laufen noch immer auf ungepatchten Systemen – mit echten Risiken für Datenschutz und Betrieb.
Seit dem 14. Oktober 2025 ist Windows 10 offiziell am Ende seines Support-Lebenszyklus. Microsoft liefert keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr – und das betrifft noch immer eine erhebliche Zahl an Arbeitsplätzen in deutschen KMU. Wer jetzt noch zögert, riskiert ungeschützte Systeme, DSGVO-Verstöße und Probleme mit der Cyber-Versicherung.
Was Windows 10 End of Life konkret bedeutet
Wenn Microsoft den Support einstellt, passiert folgendes:
- Keine Sicherheitspatches mehr – neu entdeckte Schwachstellen bleiben dauerhaft offen
- Keine Bugfixes – Fehler im Betriebssystem werden nicht mehr behoben
- Kein technischer Support – Microsoft hilft nicht mehr bei OS-Problemen
Das Problem: Angreifer wissen genau, wann ein Betriebssystem EOL geht – und kaufen gezielt Exploits gegen alte Systeme auf. Windows XP ist ein warnendes Beispiel: Monate nach EOL war XP eines der meistangegriffenen Systeme weltweit, obwohl es kaum noch verbreitet war.
Für KMU in Sachsen kommt hinzu: Wer personenbezogene Daten auf ungepatchten Systemen verarbeitet, riskiert Verstöße gegen die DSGVO. Datenschutzaufsichtsbehörden erwarten den Einsatz “angemessener technischer Maßnahmen” – ungepatchte EOL-Systeme erfüllen das per Definition nicht.
Die vier Optionen für KMU
Option 1: Upgrade auf Windows 11 (empfohlen für kompatible Hardware)
Der direkteste Weg – wenn die Hardware mitspielt. Windows 11 hat deutlich höhere Mindestanforderungen als Windows 10:
- Prozessor: Intel der 8. Generation oder neuer, AMD Ryzen 2000-Serie oder neuer
- RAM: Mindestens 4 GB (empfohlen: 8 GB)
- Speicher: 64 GB freier Speicherplatz
- TPM 2.0: Zwingend erforderlich – das scheidet viele ältere Geräte aus
Das Upgrade selbst ist für lizenzierte Windows-10-Geräte kostenlos. Der Zeitaufwand liegt je nach PC-Anzahl und Vorkonfiguration bei 1–2 Stunden pro Gerät inklusive Datensicherung und Nachkonfiguration.
Wichtig: Nicht alle Peripheriegeräte und Fachanwendungen – ERP-Systeme, Branchensoftware, ältere Druckertreiber – laufen auf Windows 11 reibungslos. Vor dem Rollout gehört eine Kompatibilitätsprüfung aller genutzten Anwendungen zur Pflicht.
Option 2: Extended Security Updates (ESU) – Zeit überbrücken
Für Unternehmen bietet Microsoft kostenpflichtige Extended Security Updates an. Diese liefern ausschließlich Sicherheitspatches, keine neuen Features. Die Kosten sind nach Jahren gestaffelt und steigen mit jedem weiteren Jahr.
ESU sind keine Dauerlösung. Sie überbrücken den Zeitraum bis zur Migration, sind aber kein Ersatz für ein aktuelles Betriebssystem. Wenn Sie sich aktuell noch in der ESU-Phase befinden, sollten Sie den Jahreswechsel im Oktober 2026 als Deadline für Ihren Migrationsplan nutzen – dann endet das erste ESU-Jahr.
Option 3: Hardware erneuern
Für Geräte, die zu alt für Windows 11 sind, ist der Kauf neuer Hardware oft wirtschaftlicher als ESU plus Weiterbetrieb auf alternder Hardware. Neue Geschäfts-PCs kommen ab Werk mit Windows 11 Pro und sind bei vernünftiger Ausstattung 5–7 Jahre nutzbar.
Nutzen Sie einen solchen Austausch auch für Konsolidierung: Braucht jeder Mitarbeiter einen Desktop-PC? Wäre ein Thin-Client-Konzept oder ein Wechsel auf Laptops mit Dockingstation sinnvoller?
Option 4: Wechsel zu Linux
Für einfache Büroarbeitsplätze, die hauptsächlich Browser, Office-Dokumente und E-Mail nutzen, kann Linux eine valide Alternative sein. LibreOffice, Thunderbird und Chromium sind auf gängigen Linux-Distributionen stabil und gut unterstützt.
Der Wechsel erfordert Schulungsaufwand und setzt voraus, dass keine Windows-exklusiven Anwendungen im Einsatz sind. Für IT-affine KMU in Dresden und Sachsen, die Eigenregie bevorzugen, kann das eine kosteneffektive Option sein – besonders in Kombination mit cloudbasierten Diensten.
So gehen Sie strukturiert vor
Schritt 1: Inventar erstellen
Erfassen Sie alle Geräte im Unternehmen mit Betriebssystem, Baujahr, Prozessor-Generation und TPM-Status. Unter Windows 10 zeigt der Befehl winver die aktuelle Version, tpm.msc öffnet die TPM-Verwaltung.
Schritt 2: Kompatibilität prüfen
Microsoft stellt den “PC Health Check” als kostenloses Tool bereit – es prüft, ob ein Gerät Windows 11 unterstützt. Führen Sie es auf allen Geräten aus und dokumentieren Sie die Ergebnisse zentral.
Schritt 3: Geräte klassifizieren
- Kompatibel und noch aktuell: Upgrade auf Windows 11 planen
- Kompatibel, aber veraltet: Abwägen, ob Upgrade oder Neukauf wirtschaftlicher ist
- Inkompatibel: Neukauf evaluieren oder Linux prüfen
Schritt 4: Pilotgruppe definieren
Führen Sie Windows 11 zunächst auf zwei bis drei Geräten ein. Testen Sie alle genutzten Anwendungen, Drucker und Netzwerkfreigaben sorgfältig. Erst nach erfolgreichem Pilot folgt der breite Rollout.
Schritt 5: Rollout planen und dokumentieren
Erstellen Sie einen realistischen Zeitplan. Beachten Sie: Während des Upgrades ist der Arbeitsplatz nicht nutzbar. Planen Sie daher außerhalb der Kernarbeitszeit oder arbeiten Sie mit Leihgeräten.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Wer auf ungepatchten Windows-10-Systemen weiterarbeitet, setzt sich mehreren konkreten Risiken aus:
Cyberangriffe: Ransomware-Gruppen scannen aktiv nach bekannten, ungepatchten Schwachstellen in EOL-Systemen. Ein kompromittierter Rechner kann das gesamte Unternehmensnetzwerk infizieren – auch wenn alle anderen Systeme aktuell sind.
DSGVO-Verstöße: Ein Datenleck auf ungepatchten Systemen ist kaum als “angemessene technische Schutzmaßnahme” zu verteidigen. Bußgelder der Datenschutzbehörden sind möglich – und im Schadensfall wahrscheinlich.
Cyber-Versicherung: Viele Versicherer schließen Schäden aus, die nachweislich auf EOL-Software zurückzuführen sind, oder verweigern die Auszahlung nach einem Angriff. Prüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen.
Softwarekompatibilität: Browser, Anwendungen und Sicherheitstools stellen schrittweise die Unterstützung für Windows 10 ein. Der reibungslose Betrieb wird mit der Zeit zunehmend schwieriger.
Rexoma IT unterstützt KMU in Dresden beim Windows 11 Rollout
Sie suchen Unterstützung für die Windows-11-Migration in Ihrem Unternehmen? Rexoma IT begleitet KMU in Dresden und Sachsen bei der gesamten Planung und Umsetzung: vom Hardware-Inventar über den Kompatibilitätstest bis zum vollständigen Rollout mit minimaler Ausfallzeit. Wir übernehmen auch die Prüfung Ihrer Branchensoftware auf Windows-11-Tauglichkeit und kümmern uns um Treiber, Drucker und Netzwerkfreigaben. Sprechen Sie uns an – unverbindlich und auf Augenhöhe.
Häufige Fragen zu Windows 10 End of Life
Läuft Windows 10 nach dem End of Life überhaupt noch? Ja, Windows 10 funktioniert auch nach Oktober 2025 technisch. Es gibt nur keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr. Das System wird mit der Zeit zunehmend angreifbar, je mehr Schwachstellen bekannt werden und ungepatcht bleiben.
Welche meiner PCs sind Windows 11 kompatibel? Nutzen Sie das kostenlose “PC Health Check”-Tool von Microsoft. Entscheidend sind vor allem die Prozessor-Generation (Intel 8. Gen+ oder AMD Ryzen 2000+) und das Vorhandensein von TPM 2.0. Viele PCs, die vor 2018 gekauft wurden, erfüllen die Anforderungen nicht.
Ist das Upgrade auf Windows 11 wirklich kostenlos? Ja – für lizenzierte Windows-10-Geräte, die die Hardwareanforderungen erfüllen, ist das Upgrade kostenlos. Sie benötigen keine neue Lizenz.
Was sind Extended Security Updates und wann lohnen sie sich? ESU sind kostenpflichtige Sicherheitspatches für EOL-Systeme, die Microsoft für Unternehmen anbietet. Sie lohnen sich als kurzfristige Übergangslösung, wenn ein sofortiger Rollout nicht möglich ist – etwa wegen laufender Projekte oder fehlender Kapazitäten. Langfristig ersetzen sie kein aktuelles Betriebssystem.
Muss ich alle PCs gleichzeitig upgraden? Nein. Ein gestaffelter Rollout ist sinnvoll und senkt das Risiko. Beginnen Sie mit einer Pilotgruppe, testen Sie alle Anwendungen auf Kompatibilität, und rollen Sie dann in Wellen aus. So vermeiden Sie Überraschungen im laufenden Betrieb.
Rexoma IT