· Rexoma Team · IT-Sicherheit  · 5 min read

KI-Tools im Unternehmen absichern: API-Schlüssel und Zugänge richtig schützen

Ein aktueller Supply-Chain-Vorfall bei einer verbreiteten KI-Gateway-Software betraf über 2.500 Unternehmen. Er zeigt: KI-Tools brauchen dieselbe Absicherung wie jede andere kritische Infrastruktur.

Ein aktueller Supply-Chain-Vorfall bei einer verbreiteten KI-Gateway-Software betraf über 2.500 Unternehmen. Er zeigt: KI-Tools brauchen dieselbe Absicherung wie jede andere kritische Infrastruktur.

Ein aktueller Sicherheitsvorfall bei einer weit verbreiteten KI-Gateway-Software hat Zugangsdaten von mehr als 2.500 Unternehmen offengelegt. Betroffen waren Firmen, die über die Software KI-Modelle verschiedener Anbieter zentral ansteuerten – und dabei ihre API-Schlüssel ungeschützt in der Infrastruktur liegen hatten. Für KMU, die zunehmend KI-Tools in ihre Arbeitsabläufe integrieren, ist das ein Weckruf: API-Schlüssel für KI-Dienste sind hochsensible Zugangsdaten, die genauso sorgfältig geschützt werden müssen wie Passwörter zum Firmennetzwerk.

Warum KI-Zugänge zum neuen Angriffsziel werden

In den letzten Jahren hat sich der Einsatz von KI-Tools in Unternehmen von einzelnen Experimenten zu festen Bestandteilen der Arbeitsorganisation entwickelt: Chatbots für den Kundenservice, KI-gestützte Textgenerierung, automatisierte Workflows mit Tools wie n8n, die KI-Modelle per API ansteuern. Jede dieser Anbindungen benötigt einen API-Schlüssel – eine Art digitalen Generalschlüssel, der Zugriff auf kostenpflichtige KI-Dienste und oft auch auf die damit verarbeiteten Unternehmensdaten gewährt.

Das Problem: API-Schlüssel werden in der Praxis häufig unsauber verwaltet. Sie landen in Konfigurationsdateien, die versehentlich in Code-Repositories hochgeladen werden, in Umgebungsvariablen ohne Zugriffsbeschränkung oder in freigegebenen Dokumenten. Anders als ein Passwort für einen einzelnen Mitarbeiter-Account gilt ein API-Schlüssel oft für die gesamte Organisation – wird er gestohlen, können Angreifer im Namen des Unternehmens KI-Dienste nutzen, hohe Kosten verursachen oder über die Anfragehistorie an sensible Geschäftsdaten gelangen.

Der LiteLLM-Vorfall als Warnsignal

Der jüngste Fall betraf eine Software, die als zentrale Schaltstelle zwischen Unternehmensanwendungen und verschiedenen KI-Modellanbietern fungiert – ein sogenanntes LLM-Gateway. Über eine Schwachstelle in der Software gelangten Angreifer an gespeicherte Zugangsdaten von Tausenden Firmen. Solche Gateway-Lösungen sind gerade für KMU attraktiv, weil sie die Verwaltung mehrerer KI-Anbieter vereinfachen – genau diese Zentralisierung macht sie im Schadensfall aber auch zu einem besonders lohnenden Angriffsziel.

Schatten-KI: Das unterschätzte Risiko

Neben zentral verwalteten KI-Integrationen wächst in vielen Betrieben ein zweites Problem: Mitarbeiter registrieren sich eigenständig bei KI-Diensten, erzeugen private API-Schlüssel und binden diese in Excel-Makros, Browser-Erweiterungen oder private Automatisierungen ein – oft ohne Wissen der IT-Abteilung. Diese Schatten-KI ist eine Weiterentwicklung der klassischen Schatten-IT: nicht erfasste, nicht abgesicherte Zugänge, über die Unternehmensdaten an externe KI-Dienste abfließen können, ohne dass es jemand bemerkt.

Bei IT-Sicherheitsaudits für ostdeutsche KMU stellen wir regelmäßig fest, dass niemand im Unternehmen eine vollständige Übersicht hat, welche KI-Tools mit welchen Rechten im Einsatz sind – ein klassisches blinder Fleck, der sich mit den gleichen Methoden schließen lässt wie bei anderer Schatten-IT.

Praxis: KI-Zugänge in Ihrem Unternehmen richtig absichern

  1. Bestandsaufnahme durchführen. Erfassen Sie alle im Unternehmen genutzten KI-Tools und API-Integrationen – inklusive der Frage, wer die zugehörigen Schlüssel erstellt hat und wo sie gespeichert sind.
  2. API-Schlüssel niemals im Klartext ablegen. Konfigurationsdateien, Code-Repositories und geteilte Dokumente sind keine sicheren Orte für Zugangsdaten. Nutzen Sie stattdessen einen Secrets-Manager oder zumindest einen dedizierten Passwortmanager mit Team-Freigabe.
  3. Rechte pro Schlüssel minimieren. Viele KI-Anbieter erlauben es, API-Schlüssel mit begrenztem Budget, eingeschränkten Modellen oder Ablaufdatum zu erstellen. Ein Generalschlüssel mit unbegrenztem Zugriff sollte die Ausnahme sein, nicht die Regel.
  4. Zugänge regelmäßig rotieren und protokollieren. Legen Sie fest, in welchem Turnus API-Schlüssel erneuert werden, und aktivieren Sie – sofern verfügbar – Nutzungsprotokolle beim jeweiligen Anbieter.
  5. Automatisierungsplattformen zentral betreiben. Wer KI-Anbindungen über eine selbst gehostete, kontrollierte Automatisierungsumgebung wie n8n statt über verstreute Einzellösungen abwickelt, behält die Übersicht über alle Zugänge an einer Stelle.
  6. Klare Richtlinie für KI-Nutzung aufstellen. Mitarbeiter sollten wissen, welche KI-Tools erlaubt sind, welche Daten damit verarbeitet werden dürfen und über welchen Weg neue Integrationen freigegeben werden.
  7. Vorfälle wie den LiteLLM-Fall zum Anlass nehmen, bestehende Integrationen zu prüfen: Wurde die betroffene oder eine ähnliche Software eingesetzt? Sind Schlüssel seither rotiert worden?

Was Unternehmen aus dem Vorfall lernen sollten

KI-Gateways und Automatisierungstools sind für KMU ein enormer Effizienzgewinn – sie sparen Zeit bei Routineaufgaben und erschließen neue Möglichkeiten in Kundenservice, Marketing und interner Organisation. Der Vorfall zeigt aber, dass diese Werkzeuge dieselbe sicherheitstechnische Sorgfalt verlangen wie jede andere geschäftskritische Software: saubere Zugriffsverwaltung, Patch-Management für die eingesetzte Software und ein klares Verständnis, wo sensible Zugangsdaten überhaupt liegen.

Gerade für kleinere Unternehmen, die KI-Tools oft pragmatisch und ohne dedizierte IT-Sicherheitsabteilung einführen, lohnt sich ein strukturierter Blick auf die eigene KI-Infrastruktur, bevor ein Angreifer diesen Blick für sie übernimmt.

Rexoma unterstützt KMU in Dresden bei sicherer KI-Nutzung

Sie setzen KI-Tools oder Automatisierungsworkflows in Ihrem Unternehmen ein und möchten sicherstellen, dass API-Schlüssel und Zugänge sauber verwaltet sind? Rexoma unterstützt KMU in Dresden und ganz Sachsen dabei, KI-gestützte Automatisierung mit n8n sicher aufzubauen und bestehende Integrationen im Rahmen eines IT-Sicherheitsaudits auf Schwachstellen zu prüfen.

Häufige Fragen zu KI-Sicherheit in Unternehmen

Was ist ein LLM-Gateway und warum ist es ein Sicherheitsrisiko? Ein LLM-Gateway ist eine zentrale Software, über die Unternehmen verschiedene KI-Modelle ansteuern, ohne jede Anbindung einzeln zu pflegen. Da dort die Zugangsdaten zu allen angebundenen KI-Diensten gebündelt liegen, wird die Software bei einer Schwachstelle zu einem besonders attraktiven Angriffsziel.

Wie erkenne ich Schatten-KI in meinem Unternehmen? Prüfen Sie Kreditkartenabrechnungen und Firmen-E-Mail-Postfächer auf Registrierungen bei KI-Anbietern, kontrollieren Sie Browser-Erweiterungen auf Firmengeräten und befragen Sie Teamleiter gezielt nach eigenständig eingeführten KI-Tools.

Reicht ein normaler Passwortmanager für API-Schlüssel aus? Für kleinere Unternehmen ist ein Passwortmanager mit Team-Funktion ein guter erster Schritt. Wachsen die Anzahl der Integrationen und die Sensibilität der Daten, lohnt sich ein dedizierter Secrets-Manager mit feingranularer Zugriffskontrolle.

Sollten wir KI-Tools grundsätzlich verbieten, bis eine Richtlinie steht? Ein pauschales Verbot führt in der Praxis meist nur dazu, dass Mitarbeiter KI-Tools heimlich nutzen. Sinnvoller ist eine schnell aufgesetzte Positivliste erlaubter Tools mit klaren Regeln, welche Daten verarbeitet werden dürfen.

Wie oft sollten API-Schlüssel rotiert werden? Eine feste Regel gibt es nicht, aber ein Turnus von drei bis sechs Monaten ist für die meisten KMU praktikabel – ergänzt um eine sofortige Rotation nach bekannt gewordenen Sicherheitsvorfällen bei genutzten Anbietern.

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